Archiv für den Monat: Mai 2016

Heimische Singvögel können ohne Zwischenlandung über die Sahara fliegen – Aktuelle Forschung zum Trauerschnäpper

Sumpfrohrsänger - Singvogel
Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) Foto: pixabay-kaz

Etwa 50 Milliarden Vögel wandern weltweit alljährlich zwischen ihrem Brutgebiet und dem Winterquartier. Die dabei zurück gelegten Strecken können kleinräumig sein bis hin zu Bewegungen über ganze Erdteile. Dabei fliegen Vögel oft mehrere tausend Kilometer. Neben Ozeanen und Gebirgen werden auch die heißesten Zonen der Erde überflogen. Dazu gehört auch die Sahara. Unter unseren heimischen Vögeln sind es vor allem auch Singvögel, wie der Trauerschnäpper, Ficedula hypoleuca die dabei Bemerkenswertes leisten.  Neben natürlichen Gefahren, wie Beutegreifer und Unwetter schafft der Mensch immer wieder neue Bedrohungen, wie z.B. Stromleitungen, Funktürme oder Windräder.  In einigen Ländern – auch in Europa – werden Vögel geschossen, entweder zum Verzehr oder aus Lust an der Vogeljagd.

Über Deutschland verläuft die hauptsächliche Zugrichtung der Vögel von Nordost nach Südwest und umgekehrt. Viele Vögel aus ganz Europa sind Trans-Sahara-Zieher und müssen diese Wüste jährlich zweimal überqueren. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass vor allem kleinere Singvögel wie Rohrsänger (siehe Foto), Grasmücken und Schnäpper unterwegs Pausen einlegen und zur Rast einfallen.

Trauerschnäpper – Zugverhalten

Niederländische Forscher untersuchten das Zugverhalten von Trauerschnäppern und konnten dabei Nonstop-Flüge über bis zu 60 Stunden für die Sahara-Überquerung von Trauerschnäppern mithilfe von Datenloggern nachweisen. Im niederländischen Brutgebiet wurden dazu 80 Trauerschnäpper mit kleinen Datenloggern versehen, die über die folgenden Monate alle fünf bis zehn Minuten Lichtstärke und Temperatur aufzeichneten. Ein Jahr später wurden die standorttreuen Vögel erneut am Brutplatz gefangen und die Datenlogger ausgewertet. Anhand der Daten konnten Lichtkurven errechnet werden, die auf die Tageslänge und damit auf den ungefähren Breitengrad schließen ließen. Über die Tagesmitte konnte außerdem der Längengrad berechnet werden.

Insgesamt 27 beloggerte Trauerschnäpper konnten wiedergefangen werden, 15 Datenlogger lieferten auswertbare Daten sowohl vom Herbst- als auch Frühjahrszug. Dabei konnten die Wissenschaftler eindeutig belegen, dass die Vögel mitunter 40 bis 60 Stunden Nonstop flogen. Neben der reinen Flugleistung der Vögel ist zudem bemerkenswert, dass ein Großteil der Sahara offenbar während des Tages überquert wurde — man hatte angenommen, dass die Temperatur zu dieser Zeit für derartige Leistungen zu hoch sei. Für den Trauerschnäpper konnte außerdem ermittelt werden, dass die Vögel einen Schleifenzug vollziehen. Auf dem Herbstzug zogen die Vögel längere Zeit über den Atlantik und mieden so die Wüste, anstatt wie im Frühjahr die Sahara direkt zu überqueren. Die bemerkenswerten Ergebnisse der Studie wurden nun im Magazin Biology Letters veröffentlicht.

Weitere Informationen

  • Ouwehand et al. (2016): Alternate non-stop migration strategies of pied flycatchers to cross the Sahara desert. Biology Letters. DOI: 10.1098/rsbl.2015.1060