Heimische Vögel mit starken Bestandsrückgängen

Goldammer
Auch die Goldammer ist von starken Bestandsrückgängen betroffen.
Foto: Pixabay-Sweetaholic

248 heimische Vogelarten brüteten in den letzten Jahren regelmäßig in Deutschland. Nach Zählungen bzw. Hochrechnungen aus verschiedenen Programmen brüten derzeit 70–100 Millionen Vogelpaare. Diese entfallen zu 80% auf 22 Arten; die häufigsten sind Buchfink, Amsel und Kohlmeise. Die Bestandssituation hat sich seit Ende der 1990er Jahre dramatisch verschlechtert. Jede dritte bei uns brütende Vogelart erlitt Bestandsrück-gänge! Über die letzten 25 Jahre nahmen 19% der Arten in ihrem Bestand ab, weitere 8% zeigten leichte Abnahmen. In den letzten 12 Jahren stieg der Anteil abnehmender Arten auf 26% an, zusammen mit weiteren leicht abnehmenden Arten sogar auf 34%.
Von den häufigen Brutvogelarten mit Beständen über 100000 Paaren nahm in den letzten 25 Jahren nahezu jede zweite zumindest leicht, in vielen Fällen jedoch moderat oder sogar stark ab! Dass vor allem häufige und weit verbreitete Arten wie Feldlerche und Blut-hänfling (Carduelis cannabina) zu den Verlierern gehören, verdeutlicht den der-zeit bundesweit feststellbaren schleichenden Verlust der Artenvielfalt in der normalen Landschaft.
Heimische Vögel brauchen in der Fläche wirksame Maßnahmen.
Besonders dramatisch ist die Sitution der Feld- und Wiesenvögel. Der Teilindikator Agrarland umfasst folgende Arten: Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Heidelerche (Lullula arborea), Steinkauz (Athene noctua), Feldlerche (Alauda arvensis), Kiebitz (Vanellus vanellus), Uferschnepfe (Limosa limosa), Goldammer (Emberiza citrinella), Neuntöter (Lanius collurio), Grauammer (Emberiza calandra) und Rotmilan (Milvus milvus).

Der Teilindikator „Agrarland“ zeigt zum wiederholten Mal in Folge einen statistisch signifikanten Trend weg vom Zielwert und hat mit 56% einen höchst alarmierenden Tiefpunkt erreicht. Der anhaltend negative Trend gilt ebenfalls für die europäische Agrarlandschaft. Auch in Zukunft sind keine positiven Nachrichten zu erwarten: Nach einer aktuellen EU-weiten Studie ist von den neuen Fördermaßnahmen der gemein-schaftlichen Agrarpolitik kein Impuls zum verbesserten Schutz der biologischen Vielfalt zu
erwarten. Zahlreiche Ausnahmen und der Mangel ausreichender Anforderungen hinsichtlich des Schutzes der biologischen Vielfalt führen dazu, dass ökologische Vorrangflächen und die Vorschriften zur Diversifizierung von Anbaufrüchten keinen ausreichenden Beitrag zum Naturschutz leisten werden. Der Umbruch von Dauergrünland wird nicht untersagt, sondern lediglich mengenmäßig auf 5% der Fläche begrenzt. Somit bleibt es den Mitgliedstaaten überlassen, unter diesen Rahmenbedingungen die Mittel für eine naturschutzfördernde Landwirtschaftspolitik einzusetzen. In Deutschland wurde diese Chance bisher nur unzureichend genutzt; mit dem Ausbau der Erneuerbaren
Energien und insbesondere dem zunehmenden Anbau von Mais und Raps wird die Situation für die Agrarvögel weiter verschärft. Es wird daher davon abhängen, wie positive Beispiele zum Schutz der biologischen Vielfalt auf regionaler Ebene für eine Weiterentwicklung der bundes- und EU-weiten Förderpolitik aufgegriffen werden, um den dramatischen Verlusten im Offenland entgegenzuwirken.

(Quelle: Sudfeldt, C., R. Dröschmeister, W. Frederking, K. Gedeon, B. Gerlach, C. Grüneberg, J. Karthäuser, T. Langgemach, B. Schuster, S. Trautmann & J. Wahl (2013): Vögel in Deutschland – 2013. DDA, BfN, LAG VSW, Münster.)

Der komplette Statusbericht „Vögel in Deutschland 2013“ kann hier heruntergeladen werden. (Klick)

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